Band 18 Cover Ortsbestimmungen Band18 k

Ortsbestimmungen.
Das Dokumentarische zwischen Kino und Kunst

herausgegeben von Eva Hohenberger und Katrin Mundt

Band 18, Texte zum Dokumentarfilm
Berlin 2015, 240 Seiten, Broschur, EUR 24,00, SFr 37,70

ISBN 978-3-940384-80-5

Die Kunstwelt hat den documentary turn ausgerufen. Zusammen mit der Tendenz der Kunst zur Repolitisierung bildet er einen Schwerpunkt zeitgenössischer Ausstellungen. Und auch wenn das Dokumentarische dabei die vielfältigsten Verfahren betrifft, bleiben Fotografie und Film doch die wesentlichen Medien dieses „turns“.

Das Buch nimmt diese Ausgangslage zum Anlass, nach den historischen Bedingungen dokumentarisch-künstlerischen Arbeitens zu fragen, nach den konkreten Bedingungen und Problemen der Ausstellung von Filmen, nach dokumentarischen Verfahren wie dem reenactment und der Arbeit mit found footage, die in der Kunst geschätzt werden, ohne dort ausschließlich beheimatet zu sein. Abschließend widmet sich der Band konkreten Filmen, die die Grenzen zwischen Kunst und Kino, der Welt des Films und der der Kunst obsolet erscheinen lassen, weil sie hier wie dort gezeigt, gesehen und kommentiert werden.
Die Autoren kommen aus der Kunstgeschichte und der Filmwissenschaft und einem sich ausbildenden Feld dazwischen, Kuratoren kommen ebenso zu Wort wie Wissenschaftler. Barbara Engelbach und Bernhart Schwenk berichten aus der Perspektive von Museumskuratoren über die Praxis des Film Ausstellens, die Philosophin Maria Muhle schreibt über das reenactment in der Kunst, die Fotohistorikerin Alexandra Moschovi schildert die Aufnahme der Fotografie in eine der wichtigsten Kunstinstitutionen der Moderne, das New Yorker Museum of Modern Art, und der Filmwissenschaftler Thomas Elsaesser beschreibt die Arbeit mit vorgefundenem Material vor dem Hintergrund geschichtsphilosophischer Überlegungen. Neben zahlreichen anderen Filmemachern und Künstlern werden Renzo Martens, Gillian Wearing, Allan Sekula und Pedro G. Romero mit ihren Werken ausführlicher vorgestellt.

Die Herausgeberinnen:
Eva Hohenberger
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Veröff. u.a.: Bilder des Wirklichen (Hg., Vorwerk 8 2006, 4. Auflage), Die Gegenwart der Vergangenheit (hg. m. Judith Keilbach, Vorwerk 8 2003), Frederick Wiseman (Hg., Vorwerk 8 2009)
Katrin Mundt
Freie Kuratorin, Autorin und Übersetzerin. Regelmäßige Beiträge in Ausstellungskatalogen u.a. zum Werk von Stan Douglas (Hatje Cantz 2008), Kevin J. Everson (Video Data Bank 2011) und Katarina Zdjelar (Revolver 2013) sowie in Zeitschriften wie Camera Austria und Springerin.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort
Eva Hohenberger, Katrin Mundt
Orte des Dokumentarischen - Einführung in eine Fragestellung

INSTITUTIONELLE FAKTOREN
Barbara Engelbach
Film ausstellen - Jonas Mekas, Harun Farocki, Yvonne Rainer
Benjamin Cook
Produktion, Distribution Bildung - Arbeiten mit Künstlerfilmen
Rose Epple, Bernhart Schwernk, Heiner Stadler, Detlef Weitz
The Making of "Subjectiv" - Ein Werkstattbericht

TRADITIONSLINIEN UND VERFAHREN
Alexandra Moschovi
"So sachlich, dass sie fast funktional zu nennen ist" - Die Neukonstituierung
der dokumentarischen Fotografie als Kunst im Museum of Modern Art
Jan Verwoert
Zeigst zu mir deins, zeig ich dir meins - Dokumentarfilm als Kultur des Austauschs
Maria Muhle
Reenactment als mindere Mimesis
Thomas Elsaesser
Die Geschichte, das Obsolete und der "found footage"-Film

FALLSTUDIEN
T.J. Demos
Die Heimsuchung - Renzo Martens' "Enjoy Poverty"
Jochen Becker, Elke Falat, Reante Wöhrer
Einstellungen - Allan Sekula und seine dokumentarischen Filme
Maeve Connolly
Gillian Wearings delegierte Performer - Schauspieler, Trinker und soziale Körper
Iris Dressler
Dokumente in Aufruhr
Über das "Archivo FX" des Pedro G. Romer

„ … Hinsichtlich der Auswahl der Autorinnen und Autoren lässt sich die Anthologie von Hohenberger und Mundt vergleichsweise stärker im deutschsprachigen Raum verorten. Außerdem fällt auf, dass ihr Interesse nicht unwesentlich institutionellen Zusammenhängen gilt: In der sehr informativen Einführung begründen die Herausgeberinnen dies mit den rezenten Entwicklungen angesichts der Präsentation von dokumentarischen(filmischen) Arbeiten, die in der Praxis bereits zu beobachten sind, in der Kritik oder auch der akademischen Auseinandersetzung aber noch weniger Resonanz erfahren….“
Naoko Kaltschmidt, in KOLIK.film. Sonderheft Nr. 27, März 2017

„ … [Das Buch] bietet in der Summe einen wertvollen Beitrag zum noch relativ jungen Diskurs über dokumentarische Praktiken im Austausch zwischen Kunst- und Filmkontext. Die in den Artikeln eröffneten historischen Fluchtlinien und der Fokus auf institutionelle Fragen ergänzen den Diskurs um wichtige Aspekte, während die Analysen und Fallbeispiele zur Veranschaulichung der Thesen beitragen und die Bandbreite dokumentarischen Arbeitens im Kunstkontext aufzeigen. Auch wenn der Band in seiner Beispiel- und Verweisfülle sich als nicht ganz voraussetzungsfrei in der Lektüre erweist, dürfte er nicht nur als weiterführende Lektüre, sondern auch als Einstieg in die Thematik geeignet sein.“
Cornelia Lund bei [rezens.tfm], Universität Wien; Mai 2017

"Bildende Kunst und Film haben sich in den letzten Jahren enger miteinander verbunden. Es gibt einen sogenannten documentary turn, den man inzwischen in vielen Ausstellungen finden kann: Filminstallationen, die den Blick auf gesellschaftliche Realitäten erweitern sollen. ..."
Hans Helmut Prinzler, Juni 2016

Texte zum Dokumentarfilm, Bd. 18
Hg. von der dfi-Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW
Berlin 2015, 240 Seiten, Broschur, EUR 24,00, SFr 37,70

Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW und von der Stiftung Kultuwerk der VG Bild-Kunst.

 

Veranstaltungsankündigung

Kraftfelder

30.11 - 2.12.2017 in Köln

2017 will LaDOC unter dem Begriff
Kraftfelder über die Strahlkraft künstlerischer Impulse nachdenken. Dabei geht es sowohl um individuelle Positionen, als auch um konkrete Arbeitszusammenhänge, Projekte und Netzwerke.

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Ankündigung

Ein Jahrhundert Ophüls – Filmgeschichte von Max Ophüls bis Marcel Ophüls

Symposium vom 13. -17. November 2017 in der FH Dortmund und der KHM Köln

Max Ophüls und Marcel Ophüls - Vater und Sohn - zählen zu den großen international anerkannten Filmregisseuren des deutschen, französischen und amerikanischen Kinos im 20. Jahrhundert.

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Ankündigung

DOKFENSTER KÖLN 2017

12 x Dokumentarfilm für Kölner Schulklassen
Montag, 20. November bis Freitag, 24. November 2017
im Kino Filmpalette, Lübecker Straße 15, 50668 Köln (Haltestelle U- und S-Bahn Hansaring / U-Bahn Ebertplatz)

Programmflyer

Das DOKFENSTER KÖLN öffnet innerhalb des Kinderfilmfests CINEPÄNZ wieder ein Fenster mit dokumentarischen Filmen und lädt Kölner Schulklassen ins Kino ein.

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Neuerscheinung Band 20,
Texte zum Dokumentarfilm

Sichtbar machen.
Politiken des Dokumentarfilms

 

"Der Film zeigt nicht nur Bilder, er umgibt sie auch mit einer Welt." Gilles Deleuze zufolge zeigt sich das Verhältnis von Bild und Welt vielgestaltig. Dieser Heterogenität entsprechend lassen sich die dokumentarischen Formen des Sichtbarmachens deuten. Zum Kernbestand dokumentarischer Ästhetik wie dokumentarischer Politik gehört es, Aufmerksamkeit dorthin zu lenken, wo sie zuvor fehlte.

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Audio-Dokumentation

Das NRW-Filmerbe

Neben dem Abschlussbericht dokumentieren wir das dfi-Symposium zum NRW-Filmerbe mit Tonaufnahmen der Vorträge und Panels.

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