LaDoc-Lecture in Kooperation mit der dfinirgendland

Filmvorführung und Fachgespräch
zu »Nirgendland« von Helen Simon

17. Nov. 2014, 19.30 Uhr, Filmvorführung
18. Nov. 2014, 19.30 Uhr, Fachgespräch
Filmclub 813, Hahnenstraße 6, Köln

Zu den großen Schwierigkeiten eines Dokumentarfilms über sexuellen Missbrauch gehört es, die Opfer nicht ein zweites Mal vor der Kamera auszubeuten, wenn sie ihre Geschichte erzählen.

Der Abschlussfilm an der HFF München von Helen Simon „Nirgendland // No Lullaby“ reflektiert diese Schwierigkeit und wählt einen Weg, indem er die Zeugenaussage vor der Kamera mit Gerichtsprotokollen, aus dem Off zitiert, mit nicht-konnotierten Bildern von Wohninnenräumen und Naturaußenaufnahmen und einem ausgefeilten Sounddesign montiert.

Tina, etwa Mitte 50 Jahre, hat den Missbrauch durch ihren Vater in ihrer Erinnerung jahrelang ausgeblendet. Erst durch eine Therapie werden die Momente des Missbrauchs erinnert. Für ihre Tochter Floh kommen die Erkenntnisse zu spät. Alle Hinweise auf den Missbrauch durch den gleichen Mann, den Großvater, werden von der Mutter Tina ebenfalls nicht gesehen, so wie Tinas Mutter ihrerseits die damalige Situation übersah. Erst als das dritte Kind aus der Familie in die gleiche Situation kommt, entschließen sich Tina und Floh, den Täter anzuzeigen. Als der Fall schließlich vor Gericht kommt, geht der Täter straffrei aus.
 
Der Film fällt auf durch den reflektierten Einsatz filmischer Mittel, die die übliche mediale Darstellung sexueller Gewalt unterlaufen. Statt dem Kalkül einer visuellen Erwartung zu entsprechen, wie Opfer „auszusehen“ haben, zeigt er unter anderem Bilder einer mühsam wieder gewonnenen „Normalität“ aus Tinas Leben. Er zeigt eine schuldlos Schuldige und zeichnet die Mechanismen des Missbrauchs in einer Familie nach. Der Film bricht Erwartungen, und berührt und fesselt trotzdem.
Helen Simon erhielt für ihren Film den 1. Preis im deutschen Wettbewerb des Dok.fest München.
 
NIRGENDLAND // NO LULLABY
D 2014, 72 Min., DF, DCP
Regie / Buch: Helen Simon
Kamera: Carla Muresan
Montage: Nina Ergang
Sounddesign: Konstantin von Sichart
Redaktion: Claudia Gladziejewski
Eine Produktion von Filmallee, David Lindner Filmproduktion in Koproduktion mit der HFF München und dem Bayerischen Rundfunk
 
Um der Komplexität der Thematik und der Filmgestaltung gerecht zu werden, besteht diese LaDOC / dfi -Lecture aus zwei Abenden.
 
Montag, 17. November, 19.30 Uhr
Filmvorführung von NIRGENDLAND mit Publikumsgespräch
Helen Simon im Gespräch mit Britta Wandaogo (LaDOC), Moderation: Elfriede Schmitt
 
Dienstag, 18. November, 19.30 Uhr
Filmausschnitte, Rohschnitte aus NIRGENDLAND mit Fachdiskussion
zur Filmgestaltung (Interview, Dreh, Schnitt und Ton)
Helen Simon im Gespräch mit Christiane Büchner (LaDOC), Moderation: Petra Schmitz (dfi)
 
Eintritt pro Abend 5,-- €,
Kombiticket für beide Abende 7,50 €
 

Eine Kooperation von

 
 

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Archivierung, Digitalisierung und Veröffentlichung

26. / 27. April 2017, Filmforum NRW, Köln

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Neben dem Abschlussbericht dokumentieren wir das dfi-Symposium zum NRW-Filmerbe mit Tonaufnahmen der Vorträge und Panels.

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