Brucke des Kreuzfahrtschiff Adventure of the Seas k s

Buchvorstellung und Film im Rahmen des Kasseler Dokfests

Grenzfälle. Dokumentarische Praxis zwischen Film und Literatur bei Merle Kröger und Philip Scheffner

am Samstag 20. November 13–15:30 Uhr, Kleines BALi, Kassel

Anlässlich der Veröffentlichung von Band 23 der dfi-Reihe „Texte zum Dokumentarfilm“.

Im Gespräch Merle Kröger und Philip Scheffner mit Nicole Wolf, der Herausgeberin des Bandes (in deutscher Sprache). Im Anschluss Filmscreening: HAVARIE.

Merle Kröger und Philip Scheffner arbeiten seit Anfang der 1990er Jahre zusammen, zunächst als Teil der Berliner Künstler*innengruppe Botschaft e.V. und des Autor*innenkollektivs dogfilm, seit 2001 in der eigenen Produktionsplattform pong, mit der sie auch die Filme anderer in kollaborativer Arbeit unterstützen. Mit zahlreichen Arbeiten von der Videoinstallation PRODUKTINFORMATION (1990) bis hin zu HAVARIE (2016) sind sie im Programm des Kasseler Dokfestes vertreten gewesen und haben Selbstverständnis und Diskurs des Festivals geprägt. An der Entwicklung experimenteller Fernsehformate waren sie ebenso beteiligt wie an der kritischen Befragung des „archival turns“ im Dokumentarfilm (THE HALFMOON FILES, 2007) und in der Literatur (Merle Krögers aktueller Roman DIE EXPERTEN). In Filmen wie REVISION (2012) und HAVARIE (2016) setzen sie sich mit den tödlichen Ausschlussmechanismen des europäischen Grenzregimes auseinander und entwickeln neue Strategien, der medialen Übersättigung zu begegnen, die zu einer fatalen Entsolidarisierung der Politik geführt hat.

Der aktuelle Band 23 der dfi-Reihe „Texte zum Dokumentarfilm“ widmet sich den verschiedenen Phasen und Facetten von Merle Krögers und Philip Scheffners rund 30jähriger Zusammenarbeit. „Grenzfälle. Dokumentarische Praxis zwischen Film und Literatur bei Merle Kröger und Philip Scheffner“ setzt bereits im Titel den Akzent auf eine produktive Besonderheit dieser Zusammenarbeit: Die gründlichen, meist über Jahre laufenden Recherchen zu ihren Projekten haben nicht nur Filme hervorgebracht, sondern sind von Merle Kröger auch literarisch verarbeitet und fruchtbar gemacht worden.

„Krögers und Scheffners gleichzeitige Arbeit an Filmen und Büchern zeichnet aus, dass sie sich nicht auf die Einteilung in das Filmisch-Dokumentarische einerseits und das Fiktional-Literarische andererseits reduzieren lässt. Fiktion wird in den Filmen und den Büchern auf verschiedenen Ebenen verhandelt und ist gleichzeitig Methode, in Bild, Ton und Wort. Indem sie die realen Möglichkeiten von Fiktion erkennen, aber auch die Gewalt von bspw. staatlich verordneten Fiktionen, die wiederum Realitäten schaffen, liefern Kröger und Scheffner im Kontext zeitgenössischer Debatten einen gleichermaßen herausfordernden, großzügigen und dringlichen künstlerischen Beitrag.“ (Nicole Wolf, Hg.)

Zur Buchpräsentation sprechen Merle Kröger und Philip Scheffner mit Nicole Wolf über das Projekt, das ihre spezielle Form der Zusammenarbeit am augenfälligsten macht: HAVARIE, Dokumentarfilm und Kriminalroman.

"Havarie"
Deutschland 2016 / 93:00 Min. / französisch, russisch, arabisch, englisch / deutsche UT, Regie / Schnitt: Philip Scheffner, Buch: Merle Kröger, Philip Scheffner, Produzentin: Merle Kröger, Kamera: Terry Diamond, Bernd Meiners, Ton: Pascal Capitolin, Volker Zeigermann

Am 14.9.2012 um 14:56 Uhr meldet das Kreuzfahrtschiff „Adventure of the Seas“ der spanischen Seenotrettung die Sichtung eines havarierten Schlauchbootes mit 13 Personen an Bord. Aus einem Youtube-Clip und biografischen Szenen entsteht eine Choreografie, in der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Reisenden auf dem Mittelmeer spiegeln. Die Koordinaten 37°28.6’N und 0°3.8’E markieren einen Punkt im Mittelmeer, von dem aus die Welt aus Wasser, Himmel und einem grenzenlosen Horizont besteht. Ein „Meer der Möglichkeiten“, aufgeladen mit Hoffnungen, Ängsten und Träumen von Reisenden. In Sichtweite. 90 Minuten. Winken. Warten

Zum Programm des Kasseler Dokfests

Eine Veranstaltung der Duisburger Filmwoche in Kooperation mit der dfi - Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW und Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst.

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