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Antirassistisches Sommerkino: Kurzfilmprogramm mit Diskussion im Rahmen von LETsDOK

Sonntag, 20.09.2020, 17 Uhr
Filmpalette

Das Kurzfilmprogramm versammelt künstlerische Perspektiven auf den strukturellen Rassismus in Deutschland:

Analysen, Interventionen und Gegenbilder zu den verheerenden gesellschaftlichen Diskursen und Mechanismen, die die lange Reihe rassistisch motivierter Morde in den vergangenen Jahrzehnten ermöglicht und begleitet haben und bis heute deren Aufklärung verhindern.

"Eine Kneipe auf Malle"
DE 2017, 15 Min.
R: Marian Mayland (zum Gespräch anwesend)
Eine Demonstration der NPD auf einem Super-8 Film, etwa 30 Jahre nach Ablaufdatum belichtet, liefert uns die Bildebene dieses experimentellen Essays. Auf der Tonebene streift der Autor das NPD-Verbotsverfahren, die AfD und ihre modernen Formen der Kommunikation, die Nachfrage nach analogem Foto- und Filmequipment, nach Vinylschallplatten und nach regionalen Bioprodukten, um am Ende wieder zum dem ehemaligen NPD-Vorsitzenden Holger Apfel zurückzukommen, der seit seinem Ausstieg aus der rechten Szene eine Bar in Palma de Mallorca betreibt.

SPOT: "Wo geht es zur Halitstraße?"
DE 2017, 2 Min.
R: Fritz Laszlo Weber, Spotter*innen
Die Halitstraße ist der Ort, an dem Halit Yozgat sein Internetcafé hatte, bevor er ermordet wurde. Noch aber stehen die richtigen Straßenschilder nicht.
Das Video ist Teil der SPOTS, die für das Tribunal »NSU-Komplex auflösen« 2017 entstanden sind.

"This Makes Me Want to Predict the Past"
DE 2019, 16 Min.
R: Cana Bilir-Meier
Cana Bilir-Meiers auf Super 8 gedrehter Film porträtiert eine Gruppe Jugendlicher mit Migrationsgeschichte im Olympia-Einkaufszentrum in München wo 2016 bei einem rassistischen Anschlag neun junge Menschen ermordet wurden. Neben ihren alltäglichen Erkundungen stellen die Jugendlichen Szenen aus dem Theaterstück Düşler Ülkesi (Land der Träume) nach. Die Premiere des Stücks im Jahr 1982 wurde von einer Bombendrohung überschattet. Der im Filmtitel angelegte Widerspruch, die Vergangenheit vorhersagen zu wollen, ist ein Verweis auf die kontinuierliche Erfahrung von Rassismus, lässt sich aber auch als eine spielerische Anregung lesen, aus gewohnten Denk- und Verhaltensmustern auszubrechen – im Film vermittelt durch YouTube-Kommentare zu Childish Gambinos Song Redbone.

SPOT: "Weil ich nun mal hier lebe"
DE 2017, 1 Min.
R: Hatice Ayten, Spotter*innen
Ein Interview mit einer jungen Frau nach den rassistischen Brandanschlägen von Mölln 1992 und Solingen 1993, bei denen acht Menschen ermordet und weitere schwer verletzt wurden. Ausgangsmaterial dieses SPOTS ist Hatice Aytens Dokumentarfilm OHNELAND von 1995.

"Tiefenschärfe"
DE 2017, 14:30 Min.
R: Alex Gerbaulet, Mareike Bernien
Ein Blumenstand, eine Schneiderei, ein Imbisswagen: drei Orte in Nürnberg, die zu Tatorten wurden, als der sogenannte Nationalsozialistische Untergrund (NSU) zwischen 2000 und 2005 drei Morde an Geschäftsinhabern mit Migrationshintergrund verübte. TIEFENSCHÄRFE setzt das Bodenlose der rassistisch motivierten Taten ins Bild: Die drei Orte werden von einer Kamera umkreist, deren Achse immer wieder aus dem Lot gerät. Beschreibungen und Alltagsbeobachtungen werden mit Informationsfragmenten aus der rassistischen Medienberichterstattung sowie den Mordermittlungen verschränkt, welche sich bis zur Selbstenttarnung des NSU 2011 ausschließlich gegen die Mordopfer und deren Familien gerichtet haben. Bis heute bleiben die Umstände der Taten ungeklärt.

Eintritt 7,- €
Die Einnahmen werden der „Initiative 19. Februar Hanau“ gespendet.

Eine Veranstaltung der Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW und des Filmhaus Köln in Kooperation mit dem Filmkunstkino Filmpalette. Unterstützt von Dokomotive Plattform e.V. und Initiative “Keupstraße ist überall“.

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